
Die Zahlen sprechen für sich: KI-gestützte Entwicklungstools sind in der Schweiz auf dem Vormarsch. Was vor zwei Jahren noch ein Nischenthema war, ist heute in vielen Entwicklungsteams Alltag. Claude Code, Cursor, GitHub Copilot, Cursor, Agentic Workflows, der Werkzeugkasten wächst schneller als die meisten Qualitätsprozesse mithalten.
Genau das ist der Punkt, der uns bei Infometis schon länger beschäftigt. Wir haben uns deshalb aus der Überzeugung auf Quality Engineering spezialisiert, dass Software-Qualitätssicherung im KI-Zeitalter eine fundamental neue Disziplin ist.
KI trifft den ganzen Entwicklungsprozess von der Ideen-Entwicklung übers Coding bis zur Auslieferung und dem Betrieb in der Produktion. Einige konkrete Beispiele:
Geschwindigkeit wird nochmals neu definiert. Ideen landen nicht mehr in einem Sprint-Backlog und werden vier Wochen später umgesetzt. Sie entstehen heute innerhalb von Stunden als lauffähige Prototypen. Die Velocity von Teams erhöht sich markant. Deutlich mehr Stories können in noch kürzerer Zeit realisiert werden.
Die Entwicklerrolle weitet sich aus. Specification-to-Code-Verfahren ermöglichen es, dass Product Owner, Fachspezialisten oder Datenanalysten selbst funktionierenden Code erzeugen. Das ist Chance und Herausforderung zugleich. Mit der demokratisierung der Softwareentwicklung entfallen bisherige Qualitäts-Gatekeeper, oder werden auf deutlich weniger Personen und KI-Agenten reduziert.
Agentic AI wirkt im gesamten Prozess mit. Von der Ideenfindung über Projektmanagement bis zur Produktentstehung: Für jede Phase existiert heute KI-Unterstützung. Teams agieren nicht mehr nur unter Menschen. Menschen orchestrieren zusätzlich Agenten als Teammitglieder.
Schnelleres Time-to-Market ist keine Marketingphrase mehr. Wer heute einen neuen digitalen Service lancieren will, hat deutlich niedrigere Hürden als noch vor drei Jahren. Das öffnet Märkte, ermöglicht kürzere Innovationszyklen und macht digitale Produkte für eine viel breitere Gruppe zugänglich.
Wie bei jeder neuen Technologie steigen die Möglichkeiten und die Lernkurve gleichermassen steil. Risiken sind demnach immer im Kontext der Erfahrungswerte und Nutzung einzuordnen.
Was aus unserer Sicht aktuell zu beachten gilt:
Der Begriff "Shift Left" kursiert seit Jahren durch die Industrie: Es gilt Qualität früh im Prozess zu verankern, anstatt erst am Ende zu prüfen. Der Ansatz war grundsätzlich immer schon richtig und wichtig, greift jedoch zu kurz! Und trotzdem scheiterte er oft an der Menge und Komplexität von Aufgaben in Digitalisierungsvorhaben.
Quality Engineering ist kein Shift. Es ist ein ganzheitlicher End-to-End-Ansatz. Qualität muss gesamtheitlich entstehen, kontinuierlich, vernetzt und im System selbst. Sie beginnt mit der Anforderungsdefinition und reicht bis in den Betrieb. Laufende Überwachung, Metriken und Anomalieerkennung via Observability gehören genauso dazu wie der Testcase vor dem eigentlichen Coding.
Bevor Code entsteht, müssen Erwartungen, Rahmenbedingungen und Risiken präzise definiert sein. Der Fokus liegt auf der strategischen und systemischen Instrumentalisierung und nicht dem Formalismus. Gerade weil KI-Systeme mit unvollständigen Spezifikationen überraschend selbstbewusst falsche Dinge bauen.
Der ursprüngliche Fokus auf funktionale Korrektheit bleibt bestehen. Sicherheit, Performance, Datenschutz und Zugänglichkeit rücken jedoch deutlich stärker in den Fokus. Im Kontext von KI-gestützter Entwicklung sind diese oft die kritischsten Qualitätsdimensionen. Die ISO 25010 bietet hier einen bewährten, heute wichtiger denn je gültigen Rahmen. Welcher aus unsere Sicht aber noch zu kurz greift. Wir priorisieren deshalb zwei neue Dimensionen als zusätzliche Qualitätskriterien in einer Infometis erweiterten Variante der ISO 25010 Norm:
Wer KI-Modelle produktiv einsetzt, hat (abhängig von Use Case und Branche) regulatorische Verpflichtungen, die heute bereits greifen oder unmittelbar bevorstehen. Qualitätssicherung schliesst heute die Frage ein: Wie stellen wir sicher, dass sich unsere KI-Systeme konform, nachvollziehbar und fair verhalten?
Agenten agieren zudem zunehmend eigenständig. Entscheidungen finden zur Laufzeit statt, direkt in der Produktion. Das ist fundamental anders als klassische Software, deren Verhalten nach dem Deployment stabil bleibt.
Der EU AI Act bildet das übergeordnete Rahmenwerk: Seit August 2026 gelten die Hochrisiko-Pflichten vollständig – mit Anforderungen an Risikomanagement, Datenqualität, menschliche Aufsicht und Dokumentation über den gesamten Systemlebenszyklus.
Was hinzukommt, ist branchenspezifisch:
Die Konsequenz für Quality Engineering: Compliance ist keine juristische Aufgabe, die am Ende des Prozesses geprüft wird. Sie muss von Anfang an in die Qualitätsstrategie eingebaut sein und ist Teil der Anforderungsdefinition, der Testspezifikation und der Validierung im laufenden Betrieb.
Qualität entsteht kontinuierlich im System. Deshalb sollte sie jederzeit als aktueller Zustand sichtbar sein, nicht als periodischer Bericht. Status, Risiken und Fortschritt sind präsent. Entscheidungen basieren auf Daten und Kontext. Man fragt nicht mehr nach Qualität, man sieht sie.
Wer Large Language Models im Produktivbetrieb einsetzt, betritt aus Testing-Sicht oft Neuland. Klassische Testmethoden müssen erstmals adaptiert werden und greifen zudem nur bedingt. Was neu dazukommt:
Das erfordert neue Fähigkeiten: nicht den klassischen QA-Engineer, der Testfälle schreibt, sondern den Qualitäts-Architekten, der Prozesse end-to-end begleitet, Teams und Agenten orchestriert und sowohl technische Tiefe als auch systemisches Denken mitbringt.
Bei Infometis betrachten wir Software-Qualität holistisch. Wir verbinden die drei Kompetenzbereiche unserer internen Communities zu einem zusammenhängenden System:
Unsere Communities werden künftig vermehrt durch KI-Agenten verstärkt. Dabei orchestrieren wir diese durchgängig über den gesamten Prozess.
Wir haben uns auf das komplette Zusammenspiel von Quality Engineering Strategien spezialisiert, weil wir überzeugt sind, dass es eine der wichtigsten Herausforderungen in der modernen Softwareentwicklung ist.
Unser Angebot umfasst:
Qualität wird im KI-Zeitalter zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Sie möchten erfahren, wie Quality Engineering in Ihrem Unternehmen konkret umgesetzt werden kann? Lassen Sie uns darüber sprechen. Unsere Expertinnen und Experten unterstützen Sie bei der Entwicklung einer zukunftsfähigen Qualitätsstrategie – von der Anforderungsdefinition bis zur Überwachung produktiver KI-Systeme.
Wir freuen uns auf den Austausch.
Dies war ein erster Überblick. In den kommenden Beiträgen gehen wir tiefer: Anforderungsmanagement im KI-Kontext, LLM Testing-Methoden und was ein modernes Quality Engineering Framework konkret enthält.
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