Info.Lunch: Banking Automation & Testing Forum

Showcases zeigen die Richtung, Panels zeigen den Puls

“Würdest du einem Testfall vertrauen, den eine KI ohne menschliches Review geschrieben hat?” Diese Frage hat unser Publikum am Info.Lunch: Banking Automation & Testing Forum am stärksten bewegt. Am 17. September 2026 trafen sich im Viadukt Bogen D in Zürich Leiterinnen und Leiter der Qualitätssicherung von Banken und Payment-Unternehmen aus der Deutschschweiz und Liechtenstein. Vertreten waren Grossbanken, Retailbanken und Privatbanken.

Wie in der letzten Ausgabe angekündigt, haben wir das Forum diesmal über Avaloq hinaus geöffnet. Damit richtet es sich an die ganze Schweizer FinTech-Branche und bleibt bei seinem Schwerpunkt: Quality Engineering im Banking.

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Vier Perspektiven auf den Testing-Alltag

Im Zentrum stand eine moderierte Podiumsdiskussion zu vier Themen, die im Testing-Alltag von Banken zählen: Produktions-Incidents und Fehlerkultur, Regressionsstrategie, Qualität eingekaufter Software und KI im Testing. Maximilian Matthäus (Infometis) führte durch die Diskussion mit:

  • Domenic Zimmermann, Head of CoE Testing, LGT Group
  • Petra Bohner, Leiterin Solutions & Projekte, Aargauische Kantonalbank
  • Tom Liebau, Teamleiter Test Center of Excellence, Bank-now
  • Tjeerd Olk, Product Owner Quality Enabling, Finnova

Banken und Software-Hersteller blicken unterschiedlich auf Testautomatisierung: andere Anreize, andere Verantwortlichkeiten, andere Risikobilder. Umso auffälliger war, wie ähnlich Vorgehen, Fragestellungen und Prioritäten in der Praxis sind. Neben Automatisierung und risikobasiertem Testen wächst der Bedarf spürbar in Richtung Agentic Quality Engineering.

Produktions-Incidents: Lösung vor Schuldfrage

Alle vertretenen Firmen haben klare Abläufe für den Fall, dass in der Produktion etwas schiefgeht. Der Fokus liegt auf der Lösung, die Suche nach Schuldigen tritt zurück. Die Klassifikation von Incidents ist hilfreich, um zu sehen, wo am meisten Optimierungspotenzial besteht. Kommt ein Fehler immer wieder aus derselben Ecke, darf man das ansprechen. Das geschieht mit Bedacht und mit dem Ziel, das Problem gemeinsam nachhaltig zu beheben.

Null Incidents bleiben ein Wunsch. Wer den Testaufwand im Griff behalten will, geht bewusst Risiko ein.

Unsere Einordnung: Ein Risiko lässt sich nur bewusst eingehen, wenn es sichtbar ist. Dafür braucht es klare Antworten auf drei Fragen:

  1. Welche Geschäftsprozesse sind kritisch?
  2. Wo häufen sich Abweichungen?
  3. Welches Restrisiko trägt der Fachbereich mit?

Risikobasiertes Testen macht diese Entscheidung nachvollziehbar, auch gegenüber Revision und Aufsicht.

Regressionsstrategie: Testfälle brauchen ein Ablaufdatum

Wachsende Regressionssets kennen alle am Tisch. Statt über eine angemessene Anzahl Testfälle im Regressionsset zu sprechen, spricht die Runde bewusst von Testabdeckung und risikobasiertem Testen. Kaum eine Firma hat einen Prozess, der festlegt, wann Testfälle wieder aus der Regression entfernt werden. Mit der Komplexität der Anwendungen wächst so auch der Testaufwand. Entscheidend ist, das Set nach jedem Release auf die geänderte Software auszurichten und aktuell zu halten.

Unsere Einordnung: Ein Regressionsset bleibt schlank, wenn für die Aufnahme und für das Ausmustern von Testfällen gleich klare Kriterien gelten. Solche Kriterien sind zum Beispiel das abgedeckte Risiko, die Fundquote über die letzten Releases oder Überschneidungen mit anderen Testfällen. Wichtig ist, nach jedem Release bewusst das Regressionsset zu aktualisieren. Diese Aufgabe geht teilweise vergessen oder wird tief priorisiert.

Eingekaufte Software: Verantwortliche statt Schuldige

Die Frage, wer bei einem Produktionsfehler in zugekaufter Software die Schuld trägt, liess das Panel bewusst offen, weil sie die falsche Frage sei. Gesucht werden Verantwortliche, nicht Schuldige. Auch hier versucht man gemeinsam zu lernen und das beste Resultat zu erzielen. Annahmetests für eingekaufte Software führen die Banken nur teilweise durch. Software weisen sie bei schlechter Qualität aber durchaus an den Hersteller zurück.

An einer Stelle blieb das Panel uneinig. Die Banken sehen mehr als die Hälfte der gemeldeten Probleme beim Hersteller, der Hersteller mehr als die Hälfte beim Kunden.

Unsere Einordnung: Diese Differenz ist ein guter Ausgangspunkt. Gemeinsam definierte Annahmekriterien und eine abgestimmte Klassifizierung von Abweichungen bringen beide Seiten auf dieselbe Faktenbasis, bevor die Software in Produktion geht.

KI im Testing: Vom Testen mit KI zum Testen von KI

Laut Live-Umfrage war das der Block, der das Publikum am meisten bewegt hat. Im Zentrum stand die Frage, ob man einem Testfall traut, den eine KI ohne menschliches Review geschrieben hat. Tjeerd Olk fragte zurück, ob ein von Menschen durchgeführter Test dieses Vertrauen denn verdient. Auch dort passieren Fehler, wir akzeptieren sie nur leichter.

Gleichzeitig verschiebt sich das Feld. Aus dem Testen mit KI wird das Testen von KI, und das stellt neue Anforderungen an die eigenen Skills. Petra Bohner stellte dazu die Frage, wie die nächste Generation von Testerinnen und Testern ausgebildet werden soll, wenn ihr die prägenden Erfahrungen fehlen.

Unsere Einordnung: Diese Frage beschäftigt uns seit Längerem. Als erstes Schweizer Unternehmen bieten wir ISTQB-Zertifizierungstrainings für KI-Testing an. Dort lernen Testerinnen und Tester, KI-Systeme methodisch zu prüfen und KI-generierte Ergebnisse kritisch zu bewerten.

Der Austausch geht beim Lunch weiter

Nach dem offiziellen Teil ging die Diskussion beim Lunch weiter, unter anderem an einer interaktiven Demo von STAMINA mit Benjamin Tan. Praktisch das ganze Publikum blieb bis zum Schluss, auch als sich das Catering etwas verzögerte. Die Live-Umfrage bestätigte, was sich im Saal abzeichnete: Das Panel-Format kam gut an.

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Fazit

Ein Showcase zeigt die Richtung, in die sich ein Thema entwickelt. Ein Panel zeigt den Puls, also wo Banken und Hersteller heute tatsächlich stehen, jenseits von PoCs und Pilotprojekten. Beide Formate ergänzen sich. Diese Kombination macht das Info.Lunch zu einem festen Treffpunkt der Testing-Community im Schweizer Banking.

Welches der vier Themen beschäftigt dein Team gerade am meisten? Vielleicht willst du dein Regressionsset entschlacken, Abnahmetests für Standardsoftware aufbauen oder KI im Testing einsetzen. Sprich uns an, dann schauen wir uns deine Ausgangslage gemeinsam an.

Unser Dank geht an alle Panelisten für die offene Diskussion sowie an Tricentis und UiPath für die Unterstützung des Anlasses. Beide Sponsoren blieben inhaltlich unabhängig, in der Vorbereitung wie auch während des Panels.

Nächste Ausgabe: Das nächste Info.Lunch: Banking Automation & Testing Forum findet im März 2027 statt (genaues Datum folgt). Wenn du direkt eingeladen werden möchtest, melde dich bei maximilian.matthaeus@infometis.ch. Die bisherigen Teilnehmer werden erneut eine Einladung erhalten.

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